Bevor unsere Betonelemente das Werk verlassen, werden sie kontrolliert, behandelt und verladen. Jakub Kaya erledigt diese Arbeiten seit über zehn Jahren gekonnt und sorgfältig. Der imposante Kran auf dem Vorplatz, der über zehn Tonnen Gewicht heben kann, ist einer seiner liebsten Arbeitskollegen.
«Eigentlich bin ich Koch», sagt Jakub Kaya und lacht, während er mit einem sehr kleinen Gerät den sehr grossen Kran auf dem Aussengelände des Elementwerks Istighofen steuert. Nach vorne, zurück, links, rechts, ratternd und manchmal quietschend – auf den Kran kommt es an, wenn die massiven Elemente aus Beton gelagert oder für den Abtransport bereitgemacht werden müssen. Seit knapp elf Jahren ist Jakub Kaya im Unternehmen tätig, im Verlad zwischen Staplern, Paletten, mobilen Unterständen, einem Baucontainerbüro und vielen fertigen oder fast fertigen Objekten aus Beton. Auf dem Aussenareal warten sie darauf, schon bald bei der Kundschaft auf den Baustellen zum Einsatz zu kommen.
Der berufliche Wechsel von der Gastronomie in die Betonbranche ergab sich bei Jakub Kaya, als er eine Familie gründete. «Zuvor musste ich immer abends und am Wochenende arbeiten», berichtet er. «Als Vater wurde das schwierig, weil ich meine Frau und die Kinder nicht mehr oft sah.» Die fixen Arbeitszeiten in der Betonvorproduktion, die vom frühen Morgen bis um 16 Uhr dauern, kamen Jakub Kaya sehr entgegen. «Und ich finde super, was ich hier alles machen kann», erzählt er. Neues lernt er, indem er bei anderen abschaut und dann selbst ausprobiert. Als ihm Kollegen das Sandstrahlen zeigten, fand er das besonders spannend. Mittlerweile führt der 53-Jährige diesen Arbeitsschritt selbstständig durch, und er interessiert sich so sehr dafür, dass er sich in Eigenregie anhand von Videos weiteres Können aneignet – zum Beispiel, wie man kleinere Beschädigungen möglichst exakt reparieren kann.
Kran ist wichtiger als Muskelkraft
Jakub Kaya ist bei Wind und Wetter vorwiegend draussen tätig, das ganze Jahr hindurch. «Das macht mir nichts aus», erzählt er, und er amüsiert sich gern darüber, wie es ihm ab und zu im Winter geht: «Wenn es geschneit hat, muss ich die Elemente suchen.» Zum Glück weiss der 53-Jährige bestens, welche Objekte wo gelagert sind. Er findet sie rasch, denn er hält stets Ordnung auf «seinem» Areal. Die heiklen Fertigteile stellt er stets unter mobilen Dächern ab, damit die Witterung ihnen nichts anhaben kann.
Für den Verlad ist Jakub Kaya in der Regel allein zuständig. Er holt die ausgeschalten Elemente in der Werkhalle ab und bereitet sie anhand der Vorgaben für den Abtransport vor. Dabei legt er täglich über 10’000 Schritte zurück. Die Sicherung nimmt er jeweils gemeinsam mit den Chauffeuren vor, die mit ihren Lastwagen beim Werk vorfahren und die vorbereiteten Ladungen abholen. Nur dann, wenn ein intensives Grossprojekt im Gange ist, hat Jakub Kaya einen Arbeitskollegen als Unterstützung zur Seite. Sowieso sei der Kran «sein bester Helfer», sagt Jakub Kaya und blickt unter dem Schirm seiner Schutzmütze hervor nach oben, wo sich das grosse, gelbe Gestell über den Platz spannt. Bis zu zehn Tonnen kann die imposante Maschine heben und verschieben. «Das reicht aus, denn die schwersten Elemente wiegen acht Tonnen», sagt Jakub Kaya. Solche, die etwas kleiner und bereits palettiert sind, bewegt er per Stapler von einem Ort zum anderen. «Dieser kann etwa zweieinhalb Tonnen tragen.» Wichtiger als das Gewicht sei ohnehin die Art des Elements, fügt der 53-Jährige an. «Je nach Typ muss ich das Element anders platzieren – stehend oder liegend.»
Anrichten auf der Ladefläche
Bei jeder Lieferung, die er verlädt, muss sich Jakub Kaya genau überlegen, wie er die Betonelemente arrangieren soll. Entscheidend ist die Sicherheit, er achtet aber auch darauf, dass der Platz sinnvoll ausgenützt ist. Das sei im Grunde genommen ähnlich wie beim Anrichten von Mahlzeiten, sagt der ehemalige Küchenchef, der aus der Türkei stammt und seit 25 Jahren in der Schweiz lebt. «Man muss schauen, dass alles zusammenpasst», sagt er. Er habe sehr hohe Ansprüche. So erstaunt es nicht, dass Jakub Kaya manchmal in der Freizeit zu den fertigen Gebäuden reist, die mit Elementen aus Istighofen eingekleidet sind. «Für mich ist das schön, denn auf diesen Fassaden sind überall meine Fingerabdrücke drauf, auch wenn man das nicht sieht.»



